Neue RTL-Show: Mieses Bild, schreckliche Show – die „Quarantäne WG“ kann nicht mal Jauch retten

RTL wagt ein neues TV-Format: In der „Quarantäne WG“ unterhalten sich Günther Jauch, Thomas Gottschalk und Oliver Pocher eine Stunde lang via Skype – und das live im TV. Das böte Raum für Spontaneität. Doch die wird durch Befindlichkeitsgetue abgewürgt.

Günther Jauch, Thomas Gottschalk und Oliver Pocher unterhalten sich via Skype. Zur Primetime. Live. Mit unscharfem Bild. Ohne Autoren. Eine Stunde lang. Hätte man einem Programmmacher bei RTL noch Anfang März diese Show vorgeschlagen, er hätte sich vermutlich vor Lachen nicht mehr einbekommen. Doch die Coronakrise verändert auch das deutsche Fernsehen.

Ein „TV-Experiment“ nennt der Kölner Sender seine neue Show „Die Quarantäne WG“, die am Montagabend startete. Fünf Mal will RTL sein neues Formaten mit den beiden Fernseh-Granden Jauch und Gottschalk und Witzbold Pocher vorerst testen. Die drei sitzen zu Hause und plaudern via Online-Konferenz mit Gästen über das allgemeine Befinden und das Coronavirus im speziellen. Doch nach der ersten Folge steht fest: Das Experiment ist grandios gescheitert.

Was macht eigentlichTanja Schumann? 14.54Das liegt nicht an der miserablen Bild- und Tonqualität. Obwohl man sich schon fragen muss, warum RTL nicht in der Lage war, Gottschalk eine hochauflösende Kamera ins Wohnzimmer zu stellen. Aber eine Nation, die derzeit kollektiv im Home Office arbeitet, ist schlimmere Konferenzschaltungen via Skype gewohnt. Viel mehr scheitert die Show daran, dass der Zuschauer nicht weiß, wohin die Reise gehen soll. Unterhalten? Informieren? Beides? 

Weder unterhaltend, noch informativ

Als Unterhaltungssendung ist die „Quarantäne WG“ absolut ungeeignet. Denn das Thema ist eine Stunde lang Corona. Die Chance, zumindest ein wenig in Eskapismus abzugleiten, vertun Jauch, Pocher und Gottschalk. Es kommen die immer gleichen Befindlichkeitsfragen: Was macht das mit einem? Wie fühlt sich das an? Was beschäftigt einen? Das nimmt den Raum für Spontaneität, von der ein solches Format leben müsste. Stattdessen beklemmende Bedenkenträgerei. Einmal wird es selbst Oliver Pocher zu viel und er unterbricht Gast Laura Karasek: „Jetzt kommst du mit deinem Esoterik-Quatsch.“ Danke, Olli!

Wer sich über Corona und die Folgen informieren will, erfährt in der „Quarantäne WG“ kaum Erhellendes. Die beste Story liefert zu Anfang Pocher, der zusammen mit seiner Frau mit Corona infiziert ist. „Wie geht Ihr mit eurem kleinen Kind um?“, will Jauch von ihm wissen. Die Antwort ist, dass es keine Kontaktbeschränkungen gibt, da Kleinstkinder bislang zumeist milde Krankheitsverläufe haben. Ansonsten wird viel geplaudert. Sehr viel. „Hart aber Fair“, das zur gleichen Zeit in der ARD läuft, ist spannender, informativer und fundierter.

„Die Quarantäne WG“ scheitert am fehlenden Konzept

Am Schluss bleibt  das ungute Gefühl, gerade eine Stunde lang die schlechteste Show im deutschen Fernsehen gesehen zu haben. Jauch, Gottschalk und Pocher in einer Art „Big Brother“ – nur dass alle drei denken, sie müssten dafür für den Grimme-Preis nominiert werden. Drei Vorzeige-Moderatoren machen eben noch keine gute Show. Es fehlt jegliches Konzept.

Damit will RTL am Dienstagabend gegen „The Masked Singer“ und „Die Höhle der Löwen“ punkten? Es wird Zeit für eine Skype-Schaltung der RTL-Programmmacher. Ihr Urteil für die „Quarantäne WG“ kann nur lauten: abschalten. Schnell.

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